24 Dez

Kindheitserinnerungen I

Neulich ist es mir wieder eingefallen. Ich saß im Park auf der Bank, als ein junges Ehepaar mit ihrem etwa fünfjährigen Sohn unweit an mir vorüber zog. Da war es wieder, dieser Neid. Dieses schreckliche Habenwollen-Gefühl. Ich wollte das Gokart des Jungen. Ich wollte es gleich.

Jeder kennt sie, die Go Karts. Ich war so etwa sieben Jahre alt, als das allererste Go Kart, das Berg Toys go Kart auf den Markt kam. Der erste, der war am Besten. Das war schließlich der Klassiker, ohne den heutigen ganzen Schnickschnack. Immer wollte ich ein Gokart haben. Nur meine panische Mutter sah in den Gefährten, übertrieben wie sie eben war, eine lebensbedrohliche Investition (Ihr hättet mal Ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr eröffnet habe, dass ich Pilot werde). Dabei waren sie damals schon grundsolide. Alle meine Freunde, Peter, Jürgen, Karsten hatten eins – und ihre Freude dabei hatte keine Grenzen.

Mit dieser Begegnung im Park wurde es mir schlagartig bewusst: Ich hab immer noch nicht dieses Gokart von Berg! Ich ging umgehend nach Hause. An den Computer. Googlen: GO KART! Ich hatte meine Leidenschaft für diese Freizeitbeschäftigung gänzlich verdrängt. Schnell stellte ich fest: Nicht nur die Ausstattung und die Farben der Go Karts hat sich verändert. Nein, eine ganze Palette von Berg Gokart Zubehör bot mir das Netz an.

Fühlte ich mich jetzt besser? Wenn ich bedenke, dass der Junge vom Park die ganze Ausstattung zu Hause hat? Es ist wirklich unfassbar, was es heute nicht alles an Zubehör für die Gokarts gibt. Da gibt es zum Beispiel verschiedenfarbige Frontspoiler und Gepäckträger und sogar eigene Kennzeichen für die Kids. Mich würde es nicht wundern, wenn aus der Sitzfläche in naher Zukunft ein Massagesessel wird.

Ich wusste selbst nicht einmal, warum ich eigentlich so sauer auf diesen Bengel aus dem Park war. Ich weiß selbst, aus Trotz und Neid macht der Mensch oft Dinge, die er selbst kaum versteht. Jedenfalls hab ich mir gestern mein erstes Gokart-Kennzeichen bestellt. Die Schrift „Go Sven, Go!“ hängt jetzt über der Toilette. Ich möchte meine Frau schließlich langsam an das Thema heranführen.